EUROPEAN FEDERATION
PSYCHOANALYTIC
SELFPSYCHOLOGY

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Newsletter Vol. 2 December 1998

 

Koordination : Hannelore und Ronald Bodansky
Wörthstr. 47, D 81667 Munich, Germany
Tel. 089 448 2903
Email: Rbodansky@aol.com
Internet: http://www.selfpsychology.org/europe
Bank c/o Bodansky, EFPS, Hypovereinsbank Munich
Account Nr. 68 90 29 24 00 BLZ 700 200 01

 

Koordinationstreffen „Psychoanalytische Selbstpsychologie in Europa" am 11./12.10 1997 in Dreieich, Deutschland

 

An diesem Koordinationstreffen, zu dem Dr.Wolfgang Milch und Dr.Hans-Peter Hartmann eingeladen hatten, nahmen insgesamt 42 Interessenten aus Ungarn, der Schweiz, Österreich und Deutschland teil.

Nach ausführlicher Diskussion entschloß sich die Versammlung, eine „Europäische Föderation Psychoanalytische Selbstpsychologie" zu gründen. Die EFPS ist ein Zusammenschluß von interessierten Kollegen mit dem Ziel, den wissenschaflichen Austausch zu fördern, z.B. durch die Veranstaltung von Jahrestagungen, und die Koordination von Fortbildungsveranstaltungen zu erleichtern. Der Informationsaustausch soll durch die regelmäßige Herausgabe von Newsletters verbessert werden.

Um ausreichend Raum für ein organisches Wachstum zu bieten, wurde von der Gründung eines Vereins abgesehen, es handelt sich also nicht um einen eingetragenen Verein. Die von der Versammlung als notwendig erachteten Aufgaben können in ausreichender Weise durch eine Föderation realisiert werden. Im einzelnen wurde bei dem Koordinationstreffen beschlossen:

1. Einrichtung einer Koordinationsstelle, die in einem zeitlichen Intervall von zwei bis drei Jahren rotiert (Näheres regelt die erste Jahrestagung). Die Koordinationsstelle sammelt Information über Veranstaltungen, Fortbildungsangebote, Einladungen von europäischen und außereuropäischen Gästen, über neue Entwicklungen in der Selbstpsychologie und den Nachbardisziplinen.

Diese Aufgabe wird zunächst von der Münchner Gruppe übernommen.

Ansprechpartner ist Ron Bodansky
(Tel. 089/4482903, Fax 089/2609740, E-Mail RBodansky@aol.com)
Adresse: EFPS-Koordination c/o Bodansky, Wörthstr. 47, D-81667 München.

Für Information und Diskussion im Internet steht eine Web-Site zur Verfügung:

http://www.selfpsychology.org und http://www.selfpsychology.org/europe

2. Die Koordinationstelle versendet zweimal jährlich einen Newsletter (deutsch/englisch).Der Redaktionsschluß ist Ende Januar und Ende Juni 1998. Die Erstsendung erfolgt kostenlos an alle Interessenten, später gegen einen Subskriptionspreis von DM 50,00.

3. Die Jahrestagung 1998 findet vom 25. - 27.9.1998 in Wien statt.

Die Organisation hat der Wiener Kreis für Psychoanalyse und Selbstpsychologie übernommen.

(vgl Terminkalender)

Die Jahrestagung wechselt jährlich den Ort und wird von der jeweiligen Gruppe eigenständig organisiert. Sie soll dem fachlichen und persönlichen Austausch der Kollegen in Europa dienen. Die Jahrestagungen werden ebenso wie die internationalen Tagungen (Dreieich) zweisprachig (englisch/deutsch) abgehalten.

4. Ein Fragebogen (der bereits an die Teilnehmer der letzten Dreieich-Tagung verschickt wurde) soll erfassen, welche Kollegen mit welchen Schwerpunkten arbeiten, um eventuelle Anfragen an die Koordinationsstelle (zB von Kollegen und Patienten) beantworten zu können.

5. Damit die Arbeit der Koordinationsstelle in Gang kommen kann, haben sich die Teilnehmer des Koordinationstreffens verpflichtet, vorab DM 50,00 an EFPS (Bodansky)

Kto.-Nr: 68 90 29 24 00 bei der Hypo-Bank München (BLZ: 700 200 01)

zu überweisen. Darüber hinaus möchten wir weitere Interessenten aufrufen, die EFPS finanziell zu unterstützen.

 

Anmerkung der Koordinationsstelle:

Der Rücklauf der Fragebogenaktion hat uns gezeigt, daß reges Interesse an der Koordinationsstelle und an einem regelmäßigen Informationsaustausch besteht.

Bei der Zusammenstellung des Terminkalenders haben wir gemerkt, wie wichtig die Arbeit der Koordinationsstelle in Zukunft sein wird. Interessante und gute Veranstaltungen finden dieses Jahr in Zürich, Wien und München alle am selben Wochenende im Juni statt. Wir finden es wichtig, daß Termine in Zukunft sehr früh mitgeteilt und möglichst aufeinander abgestimmt werden können, um Überschneidungen zu vermeiden. Dies liegt in unser aller Interesse.

Wir möchten anregen, daß sich Kollegen in den einzelnen Ländern oder Städten zu Gruppen oder Vereinen zusammenschließen, die der Koordinationsstelle Ansprechpartner nennen können. Dies könnte die schnelle Weitergabe von Informationen erheblich erleichtern.

Für die nächste Ausgabe des Newsletter möchten wir darum bitten, daß Gruppen, die bereits existieren, sich vorstellen. Der nächste Redaktionsschluß ist der 30.6.1998.

Beim Koordinationstreffen wurde vereinbart, daß für die Zusendung auch künftiger Newsletters eine Gebühr von DM 50.- verlangt werden soll, um die Arbeit der EFPS zu unterstützen.

Bei Wolfgang Milch und Hans-Peter Hartmann möchten wir uns ganz herzlich bedanken für ihre Vorarbeit, die das Zustandekommen der EFPS ermöglichte.

Auch den vielen Kollegen, die mit ihrer Spende das Erscheinen dieses Newsletters ermöglicht haben, möchten wir herzlich danken.

 

In Memoriam

Manfred Busch

25.10.41 - 25.11.1997

Am 25. November vorigen Jahres starb Manfred Busch, für uns alle völlig überraschend. Sein Tod macht uns sehr traurig. Wir haben nicht nur einen engagierten Kollegen, sondern auch einen sehr lieben langjährigen Freund verloren.

Manfred Busch hatte beruflich schon seit vielen Jahren in der Selbstpsychologie seine geistige Heimat gefunden. Vielen Kollegen war er als Teilnehmer von Tagungen und Seminaren gut bekannt. Er war im letzten Jahr Gründungsmitglied des in München gegründeten Vereins „Münchner Forum für Neuere Entwicklungen in der Psychoanalyse".

Bei dem Treffen in Dreieich hatte er die Arbeit der Koordinationsstelle übernommen. Er freute sich darauf, als Herausgeber des Newsletter auch seine gestalterischen Talente einsetzen zu können. Dazu ist er nicht mehr gekommen.

Er hinterläßt seine Frau und zwei kleine Kinder. Wir werden ihn als Freund und Kollegen sehr vermissen.

 

 

Termine

1. „Konstanzer Selbspsychologie-Tage 1998" 2.4.- 5.4. 1998 in Konstanz

Supervisions-Workshop mit Anna & Paul Ornstein

Fortbildungszentrum für psychoanalytische Selbstpsychologie

Rainwiesenweg 4, 78465 Konstanz c/o Minia Joneck Tel 07531 / 43560

(Dr. Paul Ornsteins Seminar wird sich speziell mit Fokaltherapie beschäftigen)

Anreise Do 2.4. abends. Fr./ Sa ganztags von 9.00 - 18.00 Uhr, So 9.00 - 13.00 Uhr

Teilnahmegebühr: DM 730.- Kto.Nr: 78287 Sparkasse Konstanz, BLZ 690 500 01

 

2. 5. Workshop mit Vortrag von Dr. Ernest S. Wolf 20. - 21.6. 1998 in Zürich

Thema: Joseph Lichtenberg / Ernest Wolf:

General Principles of Self Psychology A Position Statement

Diskussion des Papers und Falldarstellung

Sa: 9:30 - 19:30 Uhr und So: 9:30 - 13:00 Uhr

Teilnahmegebühr DM 390.- Sonderkonto „Wolf Seminar"

Sparkasse Gießen, BLZ 513 500 25 KtoNr.: 873136

Dr.med. Dipl.- Psych. H.P. Hartmann PD Dr.med. Wolfgang Milch

Psychiatrisches Krankenhaus Heppenheim Klinik f. Psychosomatik u. Psychotherapie

Ludwigstr. 54 Universität Gießen

64646 Heppenheim Frederichstr. 33

Tel. 02652 / 16210 35394 Gießen/Lahn

Fax. 06252 / 16440 Tel. 0641 / 99-45602

Fax. 0641 / 99-45609

 

3. Dr. med Otto Kernberg und Dr. med. Paul Ornstein am 20.6.98 in München

Kurzreferate und Diskussion einer psychoanalytischen Behandlung aus der Sicht der

Objektbeziehungstheorie bzw der Selbstpsychologie.

Sa.: ganztags 9:30 - ca. 16:00 Uhr

Amerika Haus am Karolinen Platz, München

Veranstalter: Müncher Forum für Neuere Entwicklungen in der Psychoanalyse e.V.

René A.Spitzgesellschaft zur Förderung der Psychoanalyse e.V.München

Anmeldung: Münchener Forum für Neuere Entwicklungen in der Psychoanalyse

c/o Bodansky , Wörthstr. 47, 81667 München Tel. 089 / 448 29 03

Hypobank München Konto Nr. 6890 30 40 50 BLZ 700 200 01

Teilnahmegebühr DM 120.- Ausbildungskandidaten DM 80.-

 

4. Dr. Katherine Nelson am 3.7.1998

Theme: Temporarily Extended Self and Organization of Autobiographic Memory

Begrenzung auf 30 Teilnehmer.

Kosten, Ort und Zeit werden noch bekannt gegeben

Veranstalter: Müncher Forum für Neuere Entwicklunen in der Psychoanalyse e.V.

René A.Spitzgesellschaft zur Förderung der Psychoanalyse e.V.München

Anmeldung: Münchener Forum für Neuere Entwicklungen in der Psychoanalyse

c/o Bodansky , Wörthstr. 47, 81667 München Tel. 089 / 448 29 03

Hypobank München Konto Nr. 6890 30 40 50 BLZ 700 200 01

 

5. Seminar mit Robert. D. Stolorow (Los Angeles) am 19. / 20.6.98 in Wien

Intersubjectivity theory as psychoanalytic contextualism

Wiener Kreis für Psychoanalyse und Selbstpsychologie

A- 1190 Wien, Cottagegasse 53A. Tel. 3106578

 

6.Vorankündigung:

a. Dr. med Peter Fonagy, London: Vortrag und Seminar, Ende Januar 1999 in München

b. Selbstpsychologie Symposium in Dreieich, 3. bis 6. Juni 1999

 

 

1. Jahrestagung 25.9 -27.9.1998 EFPS

Europäische Föderation Psychoanalytische Selbstpsychologie

Thema: „Der gegenwärtige Stand der Selbstpsychologie in Europa"

Zweck der Jahrestagung soll ein dreifacher sein:

1. Wissenschaftlicher Austausch der europäischen Selbstpsychologen

2. Organisatorische Fragen der EFPS

3. Möglichkeit zum Kennenlernen und zur Kommunikation

Tagungsort: Hotel Modul, 1190 Wien

Tagungskosten ATS 1800.- (Ö.S.)

(incl: Tagungsräumlichkeiten, Kaffee, Sektempfang am Freitag abend, Samstag Mittagessen

Organisations- und Übersetzungskosten)

Samstag: Heurigenabend in Sievering. Kosten ATS 375.- (incl. Getränke)

Übernachtung: ATS 850.- incl. Buffetfrühstuck, Einzelzimmer

ATS 1500.- incl. Buffetfrühstuck, Doppelzimm

Vorläufige Tagungsstruktur:

Freitag 25.Sept. 98

15:00 Uhr Empfang

15:30 Uhr Begrüßung Vortrag Plenum / Diskussion

16:30 Uhr Kaffeepause

17:00 Uhr Vorträge in Kleingruppen / Diskussion

18:00 Uhr Cocktailempfang

Samstag: 26.9.98

9:30 Uhr Vortrag Plenum/ Diskussion

10:30 Uhr Kaffepause

11:00 Uhr Vorträge in Kliengrippen/Diskussion

12:00 Uhr Lunch

15:00 Uhr Plenum: Impulsreferate

16:30 Uhr Diskussion

20:15 Uhr Heurigenabend in Sievering „Martinkovits"

Sonntag 27.9.98

10:00 Uhr Vorträge in Kleingruppen

11:00 Uhr Kaffepause

11:30 Uhr Abschließendes Plenum und organisatorisches Fragen der EFPS

Planung der Jahrestagung 1999

 

Wir freuen uns ganz besonders, daß Frau Dr. Lotte Köhler uns als ersten Text für die Newsletters der EFPS ihre „Erinnerungen an Heinz Kohut" zur Verfügung gestellt hat.

Frau Dr.Köhler hat einen enormen Beitrag dazu geleistet, die Theorien von Kohut bzw der Selbstpsychologie und die Erkenntnisse der modernen Säuglings- und Entwicklungsforschung im deutschsprachigen Raum bekanntzumachen.

Den folgenden Text veröffentlichen wir mit freundlicher Genehmigung von Dr. Ludger M. Hermanns, Herausgeber der hervorragenden Reihe „Psychoanalyse in Selbstdarstellungen" Verlag: Edition Diskord, Tübingen. Der 4. Band dieser Reihe wird im Frühjahr 1998 ercheinen. In diesem Band werden u.a. Frau Dr. Lotte Köhler und auch Dr.Ernest Wolf ihren beruflichen Werdegang und ihre Begegnung mit der Psychoanalyse beschreiben.

Der folgende Text ist ein Auszug des Beitrags von Frau Dr. Lotte Köhler.

Erinnerungen an Heinz Kohut

von

Lotte Köhler

 

Heinz Kohut hat auf meinen psychoanalytischen Werdegang einen tiefgreifenden Einfluss gehabt. Nach einer unbefriedigenden Ausbildung am damaligen "Institut für psychologische Forschung und Psychotherapie" in München, hatte René Spitz mir geraten, eine völlig neue Ausbildung zu machen. So kam es, dass ich in Zürich zu Paul Parin in Analyse ging. Dieser aber stand, zusammen mit seinem Freund Morgenthaler, damals in engem Austausch mit Kohut. Er hatte zu dieser Zeit die "Selbst Psychologie" noch nicht entwickelt, galt aber als einer der führenden, fortschrittlichen, Ich-Psychologisch orientierten Analytiker.

1971 erlebte ich Kohut bei einem Wochenendseminar, das die Schweizer Psychoanalytische Gesellschaft in Chur veranstaltet hatte, zum ersten Mal persönlich. Sein klinischer Ansatz, insbesondere bezüglich der Widerstandsanalyse, war so anders als das, was wir bisher praktiziert hatten. Unter anderem sagte er, man solle Idealisierungen nicht zu früh deuten. Nun hatte ich einen Patienten gehabt, der aus sehr kleinen, streng katholischen Verhältnissen stammte. Sein Priester hatte ihm wegen eines Beichtzwanges eine Analyse empfohlen. Diesem Rat trug er pflichtschuldigst Rechnung, äusserte sich aber im Erstgespräch höchst abschätzig über Psychoanalyse. Nichtsdestoweniger sei er aber voll davon überzeugt, dass eine Behandlung bei mir das Richtige sei, und er gab mir zu verstehen, dass er in mir einen Inbegriff von Weisheit sehe. In einer Pause erzählte ich Kohut diese Geschichte - ihn im Plenum zu fragen traute ich mich als Anfängerin, die gerade ihre Analyse abgeschlossen hatte nicht. Ich sagte, die idealisierende Abwehr steche in die Augen und müsse doch wohl analysiert werden. Er meinte lächelnd : "Seien Sie doch froh darum, gerade am Anfang. Ohne diese Idealisierung hätten Sie es doch viel schwerer."

 

Dieser ersten Begegnung mit Kohut folgten weitere, wiederum auf der Ebene der Lektüre. 1972 gab Parin mir ein Manuskript der Arbeit "On narcisstic Rage". Ich war davon so begeistert, dass ich es, auch um es besser zu verstehen, sogleich übersetzte. Die Psyche nahm die Übersetzung sofort. Die damalige Redakteurin Frau Käthe Hügel schrieb mir sehr nett, sie hätten die Übersetzung Kohut geschickt, und ich solle nicht traurig sein, wenn Kohut mein gutes Deutsch "verkohutisiere". Das trug ich ihm aber überhaupt nicht nach. Im Gegensatz zu Rosenkötter, der Kohuts Buch "The Analysis of the Self" mit dem irreführenden deutschen Titel "Narzissmus" übersetzt hatte und dann auf seinem Text beharrte, war ich froh, dass Kohut so gründlich prüfte, ob ich ihn auch richtig verstanden hatte. Viel später erzählte er mir einmal, er habe diese Arbeit in 14 Tagen geschrieben, als er, auf der Höhe des Erfolges nach seinem ersten Buch, im Krankenhaus habe Untersuchungen über sich ergehen lassen müssen. Erst nach seinem Tode erfuhr ich dann die ganze Wahrheit. Diese Untersuchungen hatten ergeben, dass er an einer Leukämie litt. Von da an wusste er, dass er ein Wettrennen mit dem Tode führte, wenn er seine Gedanken noch zu Ende denken und zu Papier bringen wollte. Damit wird sein Verhalten, das oft monoman und narzisstisch egozentriert wirkte, verständlicher. Er hatte nicht mehr die Zeit, auf andere Autoren einzugehen, manchmal auch nicht auf seine Zuhörer. Ich habe in Zürich einen Vortrag miterlebt in einem überfüllten Zunfthaussaal - einige Kollegen, so der Analytiker von Blarer, sassen sogar auf dem Kachelofen. Es bestand höchstes Interesse, aber letztlich beantwortete Kohut alle konkreten Fragen nur mit dem Hinweis auf Empathie; dabei war er selbst in dieser Situation in nicht zu überbietendem Ausmass unempathisch. Das hat ihn viele Anhänger gekostet. Vielleicht hätten sie ihm seine Monomanie nicht so verübelt, hätten sie von der Todessituation gewusst, in der er sich befand. Seine Krankheit hielt Kohut aber ausserhalb der Familie absolut geheim.

1974 hatte ich ihn in meiner Eigenschaft als Vorsitzende der "René-Spitz-Gesellschaft zur Förderung der Psychoanalyse" zu einem öffentlichen Vortrag nach München eingeladen. Es war eine Zitterpartie, denn man wusste nicht, wie bekannt Kohut bereits war und ob das Auditorium Maximum der Universität mit 1000 Plätzen nicht halbleer bleiben würde. Es war voll besetzt. Die Zuhörer lauschten gespannt seinem Vortrag "Über messianische und charismatische Persönlichkeiten". Jedem war der Zusammenhang mit der deutschen Geschichte und Hitler klar. Es war ein grosser Erfolg. Da ich aber wuste, dass Kohut empfindlich war. hatte ich mir vorsichtshalber zwei Einführungsworte überlegt, entweder, er sei noch ein Geheimtip, oder er sei kein Geheimtip mehr. Ich erzählte Kohut davon, als wir anschliessend noch einen Wein tranken. Er lachte, war bester Laune und gab den Anwesenden Autogramme auf den Korken der Flaschen, die wir getrunken hatten, und das waren einige! Am nächsten Tag lud ich ihn und seine Frau Betty zu einem Essen "aus der alten Zeit" bei meiner Mutter ein, die ein der Amalienburg nachempfundenes Schlösschen am Tegernsee bewohnte. Wieder nach München zurückgekehrt, umarmte er mich und drückte mir einen Kuss auf die Wange. Ich fühlte mich sehr gehoben. Ich erfuhr bei diesem Essen auch etwas über seine Arbeitsweise. Meine Mutter fragte ihn nämlich, wie er seine Arbeiten schreibe. Seine Antwort war, er läse sie seiner Frau vor, und zwar solange, bis diese sagte, sie seien gut. Betty lächelte dazu: sie stricke derweilen.

1976 teilte mir Betty im Auftrag Kohuts mit - ich war damals noch nicht für würdig befunden, persönliche Briefe von ihm selbst zu bekommen, ob ich nicht anlässlich einer Reise zur Borderline-Konferenz in Topeka auch in Chicago Station machen wolle, um an einer Regionalkonferenz des Chicago Psychoanalytic Institute teilzunehmen. Heinz meinte, dies könne lohnend für mich sein. Ich schätze, damit sollte mein Interesse getestet werden. Ich fuhr. Ich lernte in einem Arbeitskreis, der sich mit Perversionen beschäftigte, den engeren Kreis um Kohut kennen: Goldberg, Ernest Wolf, die Ornsteins und die Tolpins. Kohut erläuterte, dass sich aus seiner Sicht in der Übertragung weniger Konflikte manifestierten, sondern fehlende Struktur, die der Analysand durch den Analytiker zu ersetzen suche, indem er eine "Selbstobjektübertragung" ausbilde. Daher fragt und und deutet Kohut nicht, was der Patient jetzt "mit ihm macht", sondern welche Funktion er für den Patienten ausübt. Kohut riet überdies davon ab, perverses Verhalten als Widerstand zu deuten. Man müsse immer fragen, wo der Patient recht, und wo sein Verhalten in der Vergangenheit einen Sinn gemacht habe. Unter den Teilnehmern war die Diskussion um den Unterschied zwischen narzisstischer und "Abwehr"-Übertragung" noch voll im Gang.

Nach dem Ende der Konferenz zeigte Kohut mir Chicago, und zwar mit einer Begeisterung, die auch mich ansteckte. Es war ein schöner, aber kalter Vorfrühlingstag. Wir fuhren den Lake Shore Drive entlang, er erklärte mir die Namen der einzelnen Wolkenkratzer und malte mir aus, wie im Sommer die Leute im Gras lagern oder Ball spielen. Er zeigte mir den Chicago River, den man - das gibt es nur in Amerika - jetzt den Berg hinauffliessen lässt, weil er zuviel Abwässer in den See gebracht hat. Er zeigte mir die Kunstschätze Chicagos, Picasso, Calder und Chagall. Tief beeindruckt war ich von einer Plastik von Henry Moore, die an der Stelle errichtet wurde, wo Fermi unterirdisch die erste Atomkettenreaktion in Gang gesetzt hatte. Kohut zeigte mir auch das Chicago Institute of Psychoanalysis in einem Hochhaus an der North Michigan Avenue im 23. und 24. Stock. Eine Reihe von Analytikern, darunter auch er, hatten dort ihre Praxis. Er erzählte, dass sie sich jeden Mittag eine Stunde lang beim gemeinsamen Mittagessen in der Kantine träfen und dabei diskutierten ("wonderful kitchen, and they prepare very good food"). Mindestens einmal in der Woche hielten sie dort auch eine klinische Konferenz. Die Bibliothek ist neiderregend. Ich sah den berühmten Chicago Index in Karteikästen. Kohuts Praxisraum war winzig. Er schaute aus seinem Fenster auf den See und einen Privatflugplatz und die Skyline. Über seinem Sessel hing ein Foto seines Analytikers Aichhorn, zu dem er die folgende Geschichte erzählte: Als er, Kohut, seine Analyse beendet habe, habe sich Aichhorn auf die Couch gelegt und ihn, Kohut, aufgefordert, ihn jetzt zu fotografieren. Kohuts Couch war ein Sofa mit Lehnen an drei Seiten. Die Patienten schauen auf eine weisse Wand, daneben einige eher abstrakte kleine Bildchen.

Die nächste Station war die Universität. Kohut berichtete wieder mit warmer Begeisterung, wie offen auch interfakultativ diskutiert würde. Er wohnte praktisch auf dem Campus. In ihrem Haus seien viele Universitätsprofessoren, und sie hätten einen regen Gedankenaustausch. Nachdem ich noch den Laden seines Hemdenschneiders und die Sporthalle gesehen hatte, in der er täglich seine gymnastischen Übungen und sein Lauftraining absolvierte, kamen wir schliesslich zu Kohuts Wohnung im obersten oder zweitobersten Stockwerk eines etwa 50 Jahre alten Hochhauses.

Vom Flur aus sah man direkt durch einen Bogen ohne Tür ins Esszimmer, und durch einen weiteren solchen ins Wohnzimmer. Durch die Sprossenfenster hatte man einen wunderschönen Blick auf die Skyline. Die Sonne ging gerade unter, und das gebogene dreieckige Lake Shore-Hochhaus mit all seinen Glasfenstern glänzte wie Gold. Kohuts kleines Arbeitszimmer war vollgepackt mit Manuskripten. Die Wohnung war sehr gemütlich, mit viel Liebe, aber keineswegs luxuriös eingerichtet. Ich bin überzeugt, dass dort die gleichen Möbel standen, die Kohuts bei ihrer Hochzeit gekauft hatten, oder zumindest beim Einzug in diese Wohnung, in der sie schon seit vielen Jahren lebten. Ein Kaminfeuer wurde angezündet. Wir setzten uns nieder, und ich begann, meine aufgeschriebenen Fragen an ihn zu richten. Wie schon öfter bei in dieser Weise gestellten Fragen erhielt ich nicht die exakte Antwort, sondern eine Beschreibung der Verhältnisse beim Patienten oder auch beim Säugling. Die Ansicht, dass der Säugling ein hilfloses, seinen Trieben ausgesetztes Bündel sei, sei nur von aussen betrachtet richtig. Vom Erleben des Säuglings her gesehen fühle dieser sich gross, da ja die Mutter quasi sein verlängerter Arm sei. Es sei daher falsch, in Kategorien wie gutes und böses Objekt zu denken. Im Erleben des Säuglings gebe es bereits von Anfang an kurze Momente sowohl eines Selbsterlebens wie auch eines Objekterlebens. Es ist interessant, dass Kohut damit die Vorstellung eines primären Narzissmus in Frage stellte. Anstatt mir jedoch meine weiteren Fragen zu beantworten, schlug er mir vor, die Einleitung zu seinem neuen Buch vorzulesen, in der das alles drinstünde (was aber leider nicht der Fall war). Doch nun erlebte ich sozusagen eine Uraufführung, denn ich war die erste, die das, was er gerade geschrieben hatte, zu hören bekam. Er las mit ausdrucksvoller Stimme und warf bei etwa jedem zweiten Satz einen Seitenblick zu mir hin, um meine Reaktion zu sehen. Er brauchte Spiegelung.

Anschliessend gab es ein typisch amerikanisches Essen, mit dem Betty Kohut sich für das deutsche Essen "aus der alten Zeit" bei meiner Mutter revanchierte: es gab Shrimp-Cocktail, gebratenen Truthahn, von Kohut höchst persönlich tranchiert, mit wildem Reis und Broccoli, dazu einen wirklich ganz ausgezeichneten amerikanischen Bordeaux, und der Clou am Schluss: Pistazieneis in einem Kranz aus Meringuen, begossen mit heisser Schokoladensauce, Mandeln und Schlagsahne. Als mir während des Essens ein wenig schwindlig wurde und ich das auf den Zeitunterschied zurückführte, meinte Kohut, der Schwindel hinge wohl mit dem zusammen, was ich gerade gehört hätte. Ich fragte zurück, ob ich dies als den Versuch einer Deutung betrachten solle, woraufhin er lachte und meinte, dumm sei ich nicht.

Nach dem Essen sassen wir noch am Kamin, und Kohut rezitierte mit grossem Vergnügen Morgensterns Galgenlieder und deren ganz vorzügliche, kongeniale englische Übersetzung von Max Knight. Schliesslich liess er es sich nicht nehmen und brachte mich ins Hotel zurück, wo er sich mit einem Handkuss und ich mich mit einer Umarmung und Kuss auf seine Wange verabschiedete. It was a great day!

1978 fand die erste Selbstpsychologie-Konferenz in Chicago statt. In der folgenden Woche hatte ich 6 Supervisionsstunden bei Kohut. Ich trug eine Analyse vor, die damals nach 5 Jahren ihrem Ende entgegenging. Zu Beginn war mir nicht klar gewesen, ob es sich um eine ödipale oder um eine narzisstische Neurose handelte. Mittlerweile war eindeutig, dass eine narzisstische Störung vorlag. Ich wollte aber von Kohut lernen, wie und aufgrund welcher Kriterien er schon früher zu einer eindeutigen Diagnose gekommen wäre. Die Supervisionen wurden auf Band aufgenommen. Die erste Sitzung war, wenn ich sie mir wieder anhöre, eine für mich beschämende Katastrophe. Wann immer nämlich Kohut ins allgemeine Dozieren überging, unterbrach ich ihn und insistierte auf meiner Fragestellung. Das geschah - im wahrsten Sinne des Wortes am laufenden Band. In der nächsten Stunde las Kohut mir vor, was er sich nach der Stunde notiert hatte. Er sagte mir, das hielte er immer so. Er benutze die 10-minütige Pause, um sich seine Gedanken und Kommentare aufzuschreiben und beginne die nächste Supervision damit. Auf diese Weise stelle er die Kontinuität seiner eigenen Gedanken sowohl für sich selber, als auch für den Supervisanden her. Als ich dann auch in der zweiten Stunde anfing, ihn zu unterbrechen, sagte er freundlich aber bestimmt: "Jetzt lassen Sie mich mal ausreden". Er hatte aber begriffen, was ich wollte und stellte sich nun ganz auf meine Fragestellung ein.

Schon in Chicago war ich erschrocken über Kohuts schlechtes Aussehen, aber er leugnete das ab, er fühle sich gut. Als ich ihn 1980 bei der 3. Selbstpsychologie-Konferenz in Boston zum letzten Mal sah, hatte er eine By-Pass Operation hinter sich und erschien körperlich noch zerbrechlicher als zuvor. Geistig war er unverändert, scharfsinnig, nach neuen Erkenntnissen suchend - er war am Manuskript seines letzten Buches. Der Kongress war mit etwa eintausend Teilnehmern ein grosser Erfolg gewesen, den er genoss, wie auch den guten Wein bei letzten gemeinsamen Abendessen, zu dem er eingeladen hatte. Und so habe ich ihn in der Erinnerung behalten: mit dem aufmerksamen Blick, wenn er zuhörte, mit der anspornenden Begeisterung mit der er sprechen konnte und mit dem geniesserisch-glücklichen Lächlen, das sein schmales Gesicht überstrahlte, wenn er sich über etwas freute: sei es ein Fortschritt im Denken, ein Kunstgenuss, eine Gaumenfreude oder eine menschliche Begegnung.

Europäische Föderation Psychoanalytische Selbstpsychologie

- Koordination -

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